FeG Präses Ansgar Hörsting zur Jahreslosung 2018

FeG Präses Ansgar Hörsting zur Jahreslosung 2018

Ich will dem Durstigen geben

Ansgar Hörsting hat ein Buch zur Jahreslosung 2018 geschrieben. Darin beleuchtet er den Vers aus der Offenbarung und folgert in einem zweiten Schritt, was diese Botschaft für uns bedeutet. Im Folgenden gekürzten Auszug aus dem zweiten Teil des Buches geht er der Frage nach, was es heißt, zu „überwinden“.

„Ich werde dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. Wer überwindet, wird dies erben, und ich werde ihm Gott sein, und er wird mir Sohn sein“. (Offenbarung 21,6-7)

Wir sollen überwinden. Wörtlich steht da „siegen“. Das klingt zunächst nach einsamer Spitze. Das klingt nach Triumph und Stolz und danach, dass eben nur einer alleine oder nur eine Mannschaft alleine auf dem Siegertreppchen stehen kann. Wo es Sieger gibt, gibt es auch Verlierer. All das ist hier aber nicht gemeint. Deswegen ist die Übersetzung „überwinden“ sehr zutreffend: Ein Hindernis kann von vielen, theoretisch von allen überwunden werden.

Siegen und überwinden – das klingt aber dennoch nach Leistung. Und wenn es in der Bibel steht, klingt es nach frommer Leistung. Ist da nicht doch, schlecht versteckt, das Geschenk des lebendigen Wassers, des ewigen Lebens, an Bedingungen geknüpft? Ist es nicht doch ein dorniger Weg der Verdienste, den man zu gehen hat? Kommen nur die Stärksten und Frömmsten durch?

Gnade wird siegen

Was ist es genau, das Jesus fordert? Was bedeutet es zu siegen? Wenn ich mir die Aussagen der Sendschreiben (Kapitel 2-3) genau ansehe, spitze ich es folgendermaßen zu: Wir siegen, indem wir an der Gnade allein festhalten! Indem wir die erste Liebe festhalten. Welche ist die erste Liebe? Es ist Gottes Liebe. Sie ist immer zuerst da. Und dann siegen wir, indem wir unser erstes Verliebtsein in Gott als Maßstab für alles machen, was kommt.
Tue Buße – kehre um! Das ist nicht als bittere Übung gemeint, die zur gnadenlosen Bußzucht mit der klischeehaften Lederpeitsche verkommt. Sondern als Sieg, indem wir zur Gnade umkehren und unser Denken durch kostenlose Gnade verändern. Halten wir allein an Jesus Christus fest und an dem, was er getan hat und wer er ist. Gnade ist Gnade ist Gnade – und bleibt es. In Jesus! Daran festzuhalten kann einem Feinde machen. Wir sollen treu bleiben. Bis in den Tod! Bis in den Tod? Das klingt sehr spannend. Und schwierig. Die ersten Christen waren konkret vom Tod bedroht. Und ich sehe: Heute sind ebenfalls viele Christen vom Tod bedroht, oder von Benachteiligungen. Wenn es so weit kommen sollte, sollen wir bei Jesus bleiben. Das ist ein schweres Wort, aber es macht deutlich: Siegen heißt paradoxerweise eben nicht „schneller, höher, weiter“, sondern heißt „bleiben“. Bleiben in Jesus, bleiben in dem, was er schenkt. Bleiben bei seiner Gnade, bleiben bei dem, der alle Götzen überflüssig macht. Bleiben, ohne Kompromiss.

Bewahrt die Werke Jesu! Wir sollen bewahren, was wir empfangen haben. Haltet fest, was ihr habt! Siegen kann man also, indem man sich auf Jesus bezieht, sich auf ihn fixiert und auf das, was er schenkt.
Wenn wir denken, wir müssten stark, reich und großartig sein, ist genau das Gegenteil der Fall: Der Arme, Nackte und Schwache siegt. In diesem Eingeständnis liegt der Sieg. Die Mittel, mit denen wir siegen, sind keine menschlichen Mittel. Im Gegenteil. Die Mittel sind Gottes Mittel. Es sind Gnadenmittel. Damit siegen wir! Mir fließen die Tränen, während ich diese Zeilen auf einer Zugfahrt schreibe. Mir fließen sie, weil Lasten abfallen: zweifelnde Fragen, bohrender Schmerz, Sehnsucht nach Gottes Wirken. Jetzt wird mir beim Schreiben klar, dass ich – nicht nur, aber auch – von einem unglaublich hohen Anspruch an mich selbst getrieben war. Ich will manchmal das perfekte Leben mit den perfekten Antworten. Und das macht mich ungnädig – auch mir selbst gegenüber. Siegen heißt zuerst einmal, Gottes Sieg zu feiern. Es heißt, das Geschenk Gottes zu empfangen und auszupacken und eben nicht wieder etwas zu leisten. Es bedeutet, den Sieg Jesu anzuerkennen und vor dem Sieger Jesus zu kapitulieren. „Und jetzt?“ Jetzt bleiben wir einfach alleine in Jesus und dem, was er getan hat. Überwinden wir diese mächtigen, übermächtig erscheinenden Muster, die uns immer wieder eintrichtern: Werde besser, größer, schneller. Überwinden wir die Lüge, dass wir die Sache mit Gott und seiner Herrschaft doch selber schaffen können. Siegen wir als Leute, die nichts haben.

Sich beschenken lassen

Christian Seeberg ging als Endvierziger auf Wanderschaft. In zwei Monaten wollte der den sogenannten Israel-Trail von Norden bis Süden durch Israel bewältigen. Alleine. 1000 km. Von Dan bis Eilat. Und das ohne Geld. Er war nicht arm, er war nur arm an Zeit, zwei Monate. Er wollte ausprobieren, was geschieht. Ich denke bei solchen Erfahrungsberichten häufig: Ja, das ist leicht, wenn man zu Hause ein Konto hat und weiß, dass im Notfall doch noch alles in Ordnung geht. Ist es dann nicht letztlich Schmarotzertum? Er hat es versucht und in seinem Buch geht es nicht selten um die speziellen Erfahrungen, die damit zusammenhängen.
Wie auch immer man ein solches Vorgehen bewertet – und ich hatte meine Bewertung recht schnell im Kopf: Seeberg schildert, wie demütigend und schwer und zugleich wie bereichernd, erhebend, berührend die Begegnungen mit Menschen waren, die ihm zu essen gaben, die ihm selbstlos halfen.

Je länger ich ihm lesend auf seinem Pfad folgte, desto näher ging mir die Sache. Er musste lernen, sich beschenken zu lassen. Das war schwer. Und zugleich war gerade das eine neue Erfahrung, die allem widersprach, was er bisher getan hatte. Er war Verwaltungsdirektor einer Bank gewesen. Er hatte gelernt, dass ein Mensch nehmen und geben muss. Dass es auf dieses Gleichgewicht ankommt, auf diese Balance, damit am Ende die Rechnung aufgeht. Er musste lernen, sich beschenken zu lassen. Sein Sieg bestand darin, nicht als Macher und Siegertyp dazustehen. Aber gerade diese Erfahrung von Schwäche machte ihn nahbar für andere, und er erlebte Hilfe und Nähe, die er als reicher Mensch nie erlebte. Sich überwinden, indem man alleine auf das baut, was Jesus schon erreicht hat. Sein Sieg, sein Reich, seine Herrschaft anerkennen. Und davon nicht weichen! Wer so überwindet, wird das lebendige Wasser von Gott geschenkt bekommen.

Und jetzt?

Überwinden Sie, indem Sie ein Gebet sprechen. Sagen Sie Jesus, dass Sie nicht mehr auf sich selbst bauen wollen. Tun Sie Buße! Bitten Sie Jesus um Vergebung. Und vertrauen Sie ihm allein. Von nun an.
Hören Sie auf, stark zu sein oder besonders gut dastehen zu wollen. Sie werden überschüttet mit lebendigem Wasser, mit Gnade. Sie werden alle Lasten los, die Sie bisher bedrückten.

Zum Weiterdenken

  • In welchem Verhältnis steht der Sieg, den Jesus errungen hat, zu dem, den wir erringen müssen (S. 29)?
  • Wie passt das zusammen?
  • Wenn es zwei Seiten einer Medaille sind: Welche Seite hat mich besonders angesprochen?
  • Was sagt Gott mir?
  • An welchem Punkt stehe ich persönlich? Was muss ich überwinden?
  • Wo stehe ich in der Gefahr, falsch Kompromisse zu schließen und den Glauben zu verlassen?

Ansgar Hörsting ist Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden, KdöR, Witten.

Das Buch zur Jahreslosung 2018 ist zu beziehen im SCM-Shop oder in jeder Buchhandlung.

Präses Ansgar Hörsting zur Jahreslosung 2017

Präses Ansgar Hörsting zur Jahreslosung 2017

Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. (Hesekiel 36,26)

Gott versteht etwas von Erneuerung. Er ist extrem innovativ und war es immer. Durch seinen Heiligen Geist ist er ständig dabei, zu erneuern. Ich stelle mir Gott so vor, dass er daran sehr viel Freude hat und ständig überlegt, wie er wo wieder mal erneuern kann. Er tüftelt Erneuerungspläne aus. Wie ich darauf komme?

Durch den Propheten Hesekiel verspricht er ein neues Herz und einen neuen Geist. Herz und Geist, das sind Wille, Denken, Schaltzentrale des Menschen und somit auch Gefühle und Entscheidungen. Diese macht  Gott neu! Durch den Glauben an Jesus erneuert er fundamental: „Wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung, das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ (2Kor 5,17). Und am Ende wird er sogar einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen (Offb 21). Er beschreibt sein Handeln so: „Siehe, ich mache alles neu.“ (Offb 21,5).

Gott verändert, um zu retten

Erneuerung, die brauchte Israel und die brauchen wir dringend. Nicht im Sinne von „modisch“ oder „Hauptsache anders als bisher“. Es geht um mehr. Wir sind im alten Muster, in unserer Schuld gefangen und das ist tödlich. Der Prophet sprach in eine verfahrene Situation. Denn das von Gott erwählte Volk mag noch so gute Vorsätze und ebenso gute Voraussetzungen durch das Wirken Gottes in Israels Geschichte gehabt haben. Aber es zeigte sich, dass es aus eigener Kraft nicht in den Wegen Gottes geht und seine Gebote missachtet. Ein Dilemma, das letztlich jeden Menschen betrifft.
Gottes Erneuerungshandeln rettet und verändert. Und immer wünschen wir uns, mehr von Gottes Innovationen zu erleben. Deswegen legt Gott selbst Hand an und schenkt ein neues Herz und einen neuen Geist.

Aus Gewalt wird Liebe

Ich denke an einen Mann in einem asiatischen Land, den ich vor Jahren in einer illegalen Siedlung kennenlernte. Es war normal für ihn wie für seine Umgebung, seine Frau zu schlagen, wenn es zu Konflikten kam. Er kam im höheren Alter zum Glauben an Jesus Christus. Ohne dass irgendjemand mit ihm darüber gesprochen hätte, wurde ihm klar: Das geht so nicht. Ich kann und will meine Frau nicht mehr schlagen, ich will sie lieben. So erneuerte der Heilige Geist diesen Mann, seine Ehe und bald auch seine Frau. Ein Wunder, das Auswirkungen hatte.

Mir wurde klar

Ich denke daran, wie Gott mich, als ich ihn kennenlernte, erneuerte. Mein Herz fand Frieden, ich wusste, wem ich gehöre. Es war wunderbar. Und ohne, dass mich irgendjemand ermahnt hätte, wurde mir klar: So wie bisher kann ich nicht mehr Alkohol trinken. Die Besäufnisse passen nicht zum neuen Leben, das Jesus mir geschenkt hat. Ich lebe nicht abstinent, aber kenne die guten Grenzen.

Wir brauchen Erneuerung

Und so gibt es viele Felder, in denen Gott erneuert: in Beziehungen, wenn Schuld oder Schicksal es unmöglich erscheinen lassen, in Frieden miteinander zu leben. Dann brauchen wir das offene Wort. Und wir brauchen Versöhnung. Der Heilige Geist schenkt die Kraft dazu und er stupst uns an, Versöhnung immer wieder zu suchen.
In Gemeinden, wenn die äußeren Formen noch gewahrt werden und das Programm läuft, aber die Herzen kalt sind und das Wort Gottes im Raum hängen bleibt. Dann brauchen wir  Mut zur Bestandsaufnahme. Und wir brauchen Weisheit, harte Wahrheiten so auszusprechen, dass sie helfen und nicht zerstören. Der Heilige Geist schenkt beides. Er erneuert Liebe, Anteilnahme, er erneuert das, was Gemeinden lebendig macht: Freude, Lachen, Trost, Liebe, das sind seine Spezialgebiete. Und so werden Gemeinden erneuert.
Im persönlichen Leben, wenn wir uns müde und ausgebrannt fühlen. Der Heilige Geist kann uns zeigen, was sich ändern muss. Er ist nicht der, der uns ausbrennen lässt, ganz sicher nicht. Er zündet uns an, ohne dass wir ausbrennen. Er erneuert uns persönlich.

Jahr der Reformation

2017 ist das 500. Jahr der Reformation. „Christusfest“ wird es genannt. Wir ehren das Andenken und fördern das Anliegen der Reformation, wenn wir auf Jesus Christus verweisen, immer und immer wieder. Wer an ihn glaubt, wird die erneuernde Kraft Gottes erfahren. Diese Kraft wird dann auch durch unsere Gemeinden fahren und uns Leidenschaft, Liebe und Freude schenken. Davon bin ich fest überzeugt.
Die Jahreslosung jedenfalls ist eine reformatorische Ansage: Gott schenkt ein neues Herz und einen neuen Geist. Er kann gut etwas anfangen mit unserem verlorenen Leben, den zerbrochenen Beziehungen, müden Gemeinden und ausgebrannten Herzen. Gott erneuert. Ich sehe ihn am Werk.

Ansgar Hörsting

Präses des Bundes Freier ev. Gemeinden

Begleitet durch Engel!?

Begleitet durch Engel!?

Der Engel des HERRN lagert sich um die her, die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus. (Psalm 43,8)
Manchmal fühlt man sich von allen guten Geistern verlassen. Dann scheint keine Sonne und der emotionale Himmel ist wolkenverhangen. Doch so wie die Sonne trotzdem hinter den Wolken weiter scheint, so gibt es durch den Glauben an Jesus Christus eine größer Realität als das, was man erlebt und empfindet. Und dieser Vers aus dem Psalm-Gebetbuch der Bibel kann Dir wie ein Strahl der Sonne durch die Wolken in dein Leben scheinen.

Gottes Gegenwart ist nicht von Deiner momentanen Lage und Stimmung abhängig. Er versteckt sich nicht im Himmel hinter der Wolkenwand, sondern ist durch seine Boten und Engel längst schon da. Mitten im Alltag: in der Freude aber auch im Leid. Er freut sich mit, wo Du Erfolge feierst und leidet mit, wo Du Verlust erlebst. Er ist nur ein Gebet weit weg entfernt.

Und manchmal reißt durch ein Stoßgebet „Gott, hilf mir jetzt …!“ der begrenzte Horizont auf und du erlebst, wie er durch seine Engelboten direkt in Dein Leben eingreift: behütet und beschützt aber auch einen überraschend neuen Weg in der persönlichen Sackgasse öffnet. Ich wünsche Dir heute am Michaelistag (Tag des Erzengels Michael) eine Erfahrung des Glaubens, die zeigt: Gottes gute Geister haben Dich nicht verlassen!

Pastor Artur Wiebe

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